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Chlamydien – eine unbekannte Epidemie (Einführung eines Chlamydienscreening)

Im Jahr 2004 hat die ÄGGF eine Prävalenzbeobachtung unter jungen Mädchen durchgeführt, der zufolge bei 10% der 17-Jährigen eine frische Chlamydieninfektion gefunden wurde. Das hat die medizinische Fachwelt aufgeschreckt, droht doch bei unerkannter Infektion mit einer 25-%igen Wahrscheinlichkeit die Gefahr, auf natürlichem Weg keine Kinder mehr bekommen zu können. In der Konsequenz wurde auf Empfehlung des Gemeinsamen Bundesausschusses ab 01. April 2008 ein jährliches kostenloses Screening für Mädchen und junge Frauen bis zum 25. Lebensjahr eingeführt.

Chlamydien trachomatis sind Bakterien, die häufig sexuell übertragen werden, aber bei den Infizierten nur selten Symptome oder Beschwerden verursachen. Das bedeutet, dass 90% aller Betroffenen nichts von ihrer oft über Jahre bestehenden Infektion wissen. Aufgrund der geringen Symptomatik wurden diese bisher bei routinemäßigen gynäkologischen Untersuchungen häufig nicht erkannt. Trotz dieser geringen oder fehlenden Krankheitszeichen verursachen die Chlamydien durch aufsteigende Infektionen in Gebärmutter und Eileiter Entzündungen, in deren Folge eine Unfruchtbarkeit entstehen kann. Jede 4.-5. Frau ist nach einer unbehandelten Infektion von einer Sterilität betroffen. Dies bedeutet, dass in der BRD circa 100.000 Frauen keine Kinder auf natürlichem Wege bekommen können. Besonders infektionsgefährdet sind junge Frauen und hier vor allem Jugendliche in den ersten Jahren nach Menstruationsbeginn. Als weitere Risikofaktoren gelten häufiger Partnerwechsel mit unregelmäßiger Kondomanwendung und das Rauchen.

Obwohl die Chlamydieninfektion zu den häufigsten sexuell übertragenen Krankheiten zählt, ist sie in der Bevölkerung weitgehend unbekannt. Da sie nicht meldepflichtig ist, gibt es in der BRD auch keine verlässlichen Daten zu ihrer Häufigkeit.
 

Prävalenz der Chlamydia-trachomatis-Infektion bei

minderjährigen Mädchen (n=266)

Aus diesen Gründen startete die Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau e. V. (ÄGGF) in den Jahren 2003/2004 in Bayern, Berlin und Hamburg Informationskampagnen zum Thema Chlamydieninfektionen. Bei Befragungen der Jugendlichen stellten unsere Ärztinnen fest, dass weit über 80% zuvor nie etwas von Chlamydien gehört hatten und schon gar nicht, dass diese gerade bei Jugendlichen besonders häufig vorkommen. Parallel zu den Informations-veranstaltungen in Berlin führte die ÄGGF mit Unterstützung von 30 Gynäkologenpraxen eine wissenschaftliche Prävalenzbeobachtung durch, die erstmalig wichtige Erkenntnisse zum Stand der Ausbreitung von Chlamydieninfektion bei minderjährigen Mädchen erbrachte. Es zeigte sich, dass von den 17-jährigen beschwerdefreien Teilnehmerinnen 10% völlig ahnungslos mit Chlamydien infiziert waren. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass das Schutzverhalten der Jugendlichen mit Kondomen mehr als unzureichend war.


Nach Auswertung und Veröffentlichung der Daten setzte sich die ÄGGF vehement für ein kostenloses jährliches Chlamydienscreening ein. Daher freut es uns ganz besonders, dass der Gemeinsame Bundesausschuss im September 2007 ein jährliches Chlamydienscreening für alle gesetzlich versicherten jungen Frauen bis zu 25 Jahren ab Januar 2008 beschlossen hat. Denn frühzeitiges Erkennen einer Infektion und nachfolgende effektive Behandlung werden zu einer deutlichen Reduktion der schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen und damit von hoher präventiver Bedeutung für die reproduktive Gesundheit junger Frauen sein. Das oben Genannte ist für uns Ansporn und Verpflichtung auch weiterhin in möglichst vielen Klassen das Thema „Sexuell übertragbare Krankheiten“ in geeigneter, alters- und entwicklungsgerechter Form zu besprechen und die Jugendlichen vom Nutzen einer sachgerechten Kondomanwendung zu überzeugen. Dies gelingt uns besonders über die Chlamydienaufklärung, denn in unseren Schulveranstaltungen erfahren wir immer wieder, dass eine unfreiwillige Unfruchtbarkeit für fast alle Schülerinnen ein in ihren Augen dramatisches Ereignis darstellt, dass sie unbedingt verhindern möchten.

Gille, G. et al.: Chlamydien, eine heimliche Epidemie unter Jugendlichen - Prävalenzbeobachtung bei jungen Mädchen in Berlin, Dtsch. Ärztebl, Jhrg. 102, Heft 28-29/2005: 2021 - 2025

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